21. Dezember 2008
GOW – Hengelo, NL (10. Lauf)

Text? De aankomst van de Modder-Moses
(Foto: Thomas Sommer, Text: Eric Nordmeyer)

Es ging wieder Schlag auf Schlag: gerade noch in Belgien, stand heute schon das nächste Rennen in den Niederlanden auf dem Kalender. Den neuen Parcours in Hengelo, schon im Vorfeld mit viel Respekt ob seiner Schwierigkeit bedacht, wollte ich nicht verpassen.
Es ging auf kleinstem Raum wie in einem Labyrinth über allerlei Hügel, matschige Wiesen, und ein paar wenige festgetretene Wege. Was den Untergrund anging war ich also vom Vortag her noch absolut im Thema und konnte mir sicher sein, den richtigen Reifen unterm Hintern zu haben.
Die Strecke ließ keinerlei Verschnaufpause. Fühlte ich mich zu Anfang noch recht müde vom Rennen am Vortag, vom frühen Aufstehen und der langen Fahrt, so konnte ich doch bald Tritt fassen. Irgendwie hatte der Vortag nicht nur Müdigkeit, sondern auch Rennrhythmus und Rennhärte hinterlassen. Alles klappte fast wie im Traum. Alexander hatte einen Explosionsstart hingelegt und ich hab ihn lange nicht gesehen. Er hatte es vorher schon angekündigt und so kam es auch – er verballerte all seine Energie schon in den ersten zwei Runden, und musste dann schauen, wie er das ganze zuende bringt. Ich konnte mich hingegen langsam aber sicher nach vorne kämpfen, ließ schnell meine üblichen Kontrahenten hinter mir und merkte vor allem gegen Ende des Rennens, dass bei mir mehr Reserven vorhanden sind, als bei den anderen um mich herum. So konnte ich einige Leute hinter mir lassen, die ich sonst nach dem Start immer erst im Ziel wieder sehe.
Es war das anstrengendste Rennen der Saison und ich war heilfroh, als für mich die Glocke zur letzten Runde ertönte.
Plötzlich, so etwa ein Drittel in der letzten Runde, krachte es auf einmal ganz laut im Hinterrad, das zweite Schaltwerk der Saison war abgerissen. Frustriert schulterte ich das Rad und rannte los, malte mir dabei aus, wie viele Plätze ich bis ins Ziel wieder abgeben würde und wie ärgerlich das doch nach so einem tollen, aber auch anstrengenden Rennen sei. Einer hatte mich schon beim Laufen überholt, da stand nach zwei Kehren - rund 100m - Maarten Stadhouders am Rand, er war frühzeitig aus dem Rennen ausgestiegen, und rief, ich solle wieder fahren… ich zeigte meine Schaltung und er schob mir flugs sein Rad unter den Hintern. Binnen Millisekunden wurde der Frust wieder von Glücksgefühlen vertrieben und ich hab mich gleich dran gemacht, den Fahrer, der mich wegen der Panne überholen konnte, wieder einzukriegen. Durch diese Gefühlsgewitter habe ich auf einmal, trotz des harten Rennens in den Beinen, Superkräfte freisetzen können, habe mir genau überlegt, wie und wo ich den Mann vor mir überhole und es auch perfekt wie aus dem Lehrbuch umgesetzt.
An Dramaturgie war das Rennen wohl für mich kaum zu überbieten, dazu noch eine gute Platzierung und damit Punkte für die Gesamtwertung. Es konnte Weihnachten werden! Vielen Dank, dank je wel, Maarteen!!!